Habt ihr Gemeinschaftsgärten auch immer schon toll gefunden, aber noch nie richtig mitgegärtnert? Das geht auch bei jedem Gemeinschaftsgarten etwas anders. Wir haben uns drei bekannte Gärten in Berlin angeschaut und wie dort jeder mitmachen kann: Prinzessinnengärten in Kreuzberg, Himmelbeet im Wedding und den Stadtgarten am Heizkraftwerk Mitte.

„Ihr habt doch diese Gemeinschaftsgärten.“ Sagt neulich ein Freund zu mir, der nicht in Berlin wohnt. “Da würde ich auch mitmachen, wenn ich Berliner wäre.“ Stimmt, denke ich. Gemeinschaftsgärten sind eine super Sache. Und hin und wieder gehe ich auch mal in einen rein, um einen Kaffee zu trinken – falls es dort ein Café gibt. Aber warum mache ich eigentlich nicht selber mit? Wäre doch schön, zu Hause auch mal Obst oder Gemüse zu essen, das man selbst angebaut hat. Im Balkonkasten wächst ja höchstens Petersilie oder Schnittlauch. Die Idee beginnt mir immer mehr zu gefallen. Außerdem gibt es ja dabei eine Menge guter ökologischer und sozialer Effekte für die Stadt und die Kieze. Aber darüber haben schon andere eine Menge geschrieben. Mich interessiert viel mehr, wie ich selber in einem Gemeinschaftsgarten mitgärtnern könnte.

Kann überall jeder einfach so mitgärtnern?

Also habe ich mir ein paar Gemeinschaftsgärten angeschaut, die mitten in der Stadt liegen. Und tatsächlich ist es überall ganz einfach, selbst mitzumachen. Und es kostet auch nirgends etwas. Nur wenn man zum Beispiel ein eigenes Beet für sich allein haben möchte. Allerdings funktionieren diese Stadtgärten und das Mitmachen je nach Standort unterschiedlich. Zuerst habe ich den bekanntesten der Berliner Gemeinschaftsgärten besucht, die Prinzessinnengärten am Moritzplatz in Berlin Kreuzberg.

Prinzessinnengärten in Kreuzberg – der Bekannteste

In diesen Gemeinschaftsgarten kommen nicht nur Anwohner, sondern Menschen aus ganz Berlin und viele Touristen, um sich das bekannte Gartenprojekt anzuschauen. Die Prinzessinnengärten gehörten zu den ersten ihrer Art und sind als funktionierendes Modell für einen urbanen Gemeinschaftsgarten weltweit bekannt. Neben der Gartenarbeit gibt es hier auch Veranstaltungen sowie Lernprojekte für Kinder und Jugendliche. In der Gastronomie kann man Gerichte aus dem eigenen Anbau essen oder zwischen Beeten und Bäumen einfach nur einen Kaffee trinken.

Vor zehn Jahren haben hier Anwohner eine alte Brachfläche selber zu einer blühenden grünen Oase zwischen Industriearalen umgestaltet. Seither kämpft das Projekt mit immer wieder verlängerten kurzen Pachtzeiten um das Weiterbestehen. Eine Besonderheit der Prinzessinnengärten und vieler anderer solcher Projekte ist, dass die Beete mobil sind. Es wird nicht direkt im Erdreich angebaut, sondern in großen Kisten und Säcken. Das hat zum einen den Grund, dass auf diese Weise ein Umzug des ganzen Projekts leichter möglich ist. Denn es handelt sich ja – zumindest bisher noch – um eine Zwischennutzung der Fläche. Andererseits ist der Boden zumindest teilweise versiegelt und könnte auch Schadstoffe enthalten.

Wer in den Prinzessinnengärten mitgärtnern möchte, kann zu den Gartenarbeitstagen zweimal in der Woche einfach vorbeikommen und mitmachen. Das Kernteam aus ehrenamtlichen und festangestellten Helfern zeigt dann, was getan werden kann und wo Hilfe am meisten nötig ist. Das ist auch eine gute Gelegenheit, Gleichgesinnte zu treffen oder Nachbarn im Kiez kennen zu lernen. Gärtnerische Vorkenntnisse sind nicht unbedingt nötig. Eigene Beete gibt es in den Prinzessinnengärten nicht. Alles wird gemeinschaftlich angebaut. Die Ernte wird an die Helfer verteilt, an Besucher verkauft und in der Gastronomie verwendet. Das eingenommene Geld fließt zurück ins Projekt. Mehr Infos auch zum Mitmachen gibt es auf der Website der Prinzessinnengärten: https://prinzessinnengarten.net/

Himmelbeet im Wedding – mit individuellen Pachtbeeten

Auf einem unbebauten Eckgrundstück direkt am Leopoldplatz im Wedding hat sich der Gemeinschaftsgarten Himmelbeet entwickelt. Das Motto dieses Gemeinschaftsgartens ist „Das gute Leben für alle“. Hier ist jeder willkommen, der schauen, mithelfen oder das Café im Himmelbeet besuchen will. Einen Verzehrzwang gibt es nicht. Wer will, kann auch seinen eigenen Proviant essen. In der Gastronomie wird weitgehend die eigene Ernte verwendet. Was dazugekauft wird, kommt soweit möglich aus fairem Handel. Auch der Gemeinschaftsgarten Himmelbeet muss um seinen Standort fürchten, da die Fläche bebaut werden soll. Aber bis Ende 2020 ist die Gartenarbeit vor Ort noch gesichert.

Im Unterschied zu anderen Gemeinschaftsgärten können hier Beete gepachtet werden und von den Pächtern ganz allein bepflanzt werden. Schön für diejenigen, die über ihre eigene Ernte auch selber verfügen möchten. Rund 170 solche Pachtbeete stehen zur Verfügung. Allerdings sind sie zu Beginn der Gartensaison schnell vergeben. Wer möchte, kann sich auch als freiwilliger Helfer an den rund 30 Gemeinschaftsbeeten beteiligen. An jedem Mittwoch kann jeder mitmachen. Anmeldung oder Gartenkenntnisse sind nicht nötig. Und es kostet natürlich auch nichts. Übrigens müssen auch die Pächter von Beeten bei Gemeinschaftsarbeiten mithelfen. Nur so hat man auch im nächsten Jahr wieder ein Anrecht auf ein eigenes Beet.

Hier geht’s zur Himmelbeet-Website mit Infos zum Mitmachen, Hintergründen und Terminen: https://himmelbeet.de/

Stadtgarten am Heizkraftwerk Mitte – das Unternehmens-Engagement

In der Köpenicker Straße in Mitte liegt ein weiterer schöner Gemeinschaftsgarten. Aber diesen haben nicht die Menschen aus der Nachbarschaft oder ein Verein ins Leben gerufen, sondern das Unternehmen, dem das Grundstück gehört. Der Energiekonzern Vattenfall betreibt hier das Heizkraftwerk Mitte und hat auf dem Gelände vor dem Kraftwerk eine große Fläche in einen für alle offenen Stadtgarten verwandelt. Dies ist übrigens schon das zweite Stadtgartenprojekt, das Vattenfall als nachbarschaftliches und ökologisches Projekt in Berlin realisiert hat.

Das Mitmachen ist hier am einfachsten. Jeder kann während der Öffnungszeiten vorbeikommen und mitgärtnern, sich erholen oder auch ernten, was gerade reif ist. Die ganze Zeit über ist ein Gartenhelfer vor Ort, der Fragen beantwortet, sagt, welche Arbeiten gerade nötig sind und bei der Gartenarbeit hilft. Vorkenntnisse sind auch hier nicht nötig, genauso wenig wie Gartenwerkzeuge. Alles Nötige ist bereits da und wird vom Gartenhelfer zur Verfügung gestellt. Er achtet auch darauf, dass die besonders fleißigen Helfer am Ende nicht ohne Ernte ausgehen. Eine Gastronomie gibt es hier nicht, dafür aber gemütliche Ecken unter Bäumen oder auf der Wiese, um im Grünen zu entspannen. Auf der Website des Projekts kannst du die Öffnungszeiten und alles Weitere nachlesen: https://pflanz-was.vattenfall.de/heizkraftwerk-mitte

Sven Hirschmann
Autor

Sven ist unser Chefredakteur und Herausgeber. Neben der Arbeit für Urbanimpuls berät er Unternehmen als Creative Director Text und Content Strategist. Wenn du mehr zu diesem Beitrag wissen möchtest oder Fragen hast, schreibe einfach eine Nachricht oder einen Kommentar auf unseren Social Media Seiten.

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